10 Schrecken der Guillotine – Teil 1

10 Schrecken der Guillotine – Teil 1

Welche Schrecken spielten sich rund um die Guillotine ab? In unserer Reihe erfährst du die schlimmsten Vorkommnisse!

Angefangen mit Guillotine-Ohrringen, die von modebewussten Damen getragen wurden, bis hin zu Guillotine-Spielzeugen für Kinder: die sogenannte Witwe, wie man sie auch nannte, faszinierte und beängstigte die Öffentlichkeit. Die Menschen verlangten nach ihrem Einsatz, doch waren auf der anderen Seite auch besorgt darüber, ob sie unnötige Schmerzen verursachte. Die Hinrichtungen mit der Guillotine waren eine Industrie wie keine zweite. Zehntausende Menschen kamen als Zuschauer und gaben eine Menge Geld in ortsansässigen Geschäften und Hotels aus. Diese schaurigen Events füllten die Taschen von vielen, die des Henkers genauso wie die der Taschendiebe auf den Straßen.

Doch die Exekutionen mit der zuverlässigen Köpfmaschine verliefen nicht immer so glatt, wie man sich das wünschte, und deshalb präsentieren wir euch in dieser Reihe die Schrecken der Guillotine, die ihr so sicher noch nicht gekannt habt.

 

1. Die verpfuschte Hinrichtung

Es ist schon schlimm genug, dass man hingerichtet werden soll, doch jetzt stellt euch vor, wie ihr euch in diesen letzten Sekunden fühlen würdet, wenn die Verantwortlichen den Job total vermasselten. Genau dies passierte einem Mann namens Kenatra im Jahre 1905. Zugegeben, er war ein verurteilter Mörder, der im Gefängnis einen Mitinsassen getötet hatte. Doch der französische Präsident wollte ein Exempel an ihm statuieren und er hat im Endeffekt einen mehr als bleibenden Eindruck hinterlassen. Da der alte Henker gestorben war, wurde dieser durch einen neuen ersetzt. Doch der Neue war angesichts der über 1000 Zuschauer wohl nervös. Denn der erste Hieb mit dem Fallbeil skalpierte den Verurteilten nur. Beim zweiten Versuch blieb die Klinge auf dem Weg nach unten stecken. Erst beim dritten Versuch wurde der Kopf sauber abgetrennt, flog jedoch durch die Luft und landete ca. 1 Meter von der Leiche entfernt, statt in den dafür vorgesehenen Korb zu fallen. Die verpfuschte Hinrichtung dauerte ganze 15 Minuten.

 

2. Die Schaulustigen

In dieser Geschichte über den Schrecken der Guillotine geht es einmal um die andere Seite: Die Zuschauer. Die Schaulustigen Guillotine-Hinrichtungen waren für viele Menschen eine Art der Unterhaltung. Einem Bericht zufolge strömten im Januar 1909, in der Nacht vor einer öffentlichen Hinrichtung in der französischen Stadt Bethune, zahllose Schaulustige auf den Marktplatz des Ortes. Gegen Mitternacht waren es bereits 2000 Zuschauer, die auf die Exekution warteten. Dann kamen Züge in der Stadt an, die noch mehr Interessierte in die Kleinstadt brachten. Die Hotels der Stadt füllten sich, wie auch die Cafés, in denen die Leute saßen und tranken, um sich die Zeit bis zur Hinrichtung zu vertreiben. Gegen 4 Uhr morgens, dem angesetzten Zeitpunkt der Exekution, befanden sich unglaubliche 30000 Schaulustige in der Stadt. Leute saßen in den Bäumen, manche auf mitgebrachten Leitern, um das bizarre Spektakel besser sehen zu können. Polizeieinheiten waren in der Stadt, um die Massen zurückzuhalten. Es schien, als ob niemand der Anwesenden die Hinrichtung von 4 berüchtigten Banditen und Mördern verpassen wollte.

 

3. Der Gefangene

In vielen alten Berichten über Guillotine-Hinrichtungen ist die Rede davon, dass die Inhaftierten den Tag ihrer Hinrichtung nicht kannten. Erst ca. eine halbe Stunde vor ihrer Exekution wurden sie geweckt und sollten sich anziehen. Dabei wurden die Hände und Füße des Delinquenten gefesselt. Außerdem durfte er mit einem Priester sprechen und die letzte Ölung erhalten.

Dann brachte man ihn in einen kleinen Raum, auch Toilettenkammer genannt, um auf den Moment der Hinrichtung zu warten. Während er auf den Tod warten musste, wurde dem Gefangenen oft Brandy oder Wein gegeben, um seine Nerven zu beruhigen. Das Haar wurde ihm geschoren und der Kragen seines Hemdes abgerissen.

Wenn der Zeitpunkt der Hinrichtung gekommen war, begann das Publikum vor lauter Vorfreude zu schreien. Zwei Hinrichtungshelfer halfen dem Verurteilten hoch und führten ihn letztendlich zur Guillotine.

 

4. Begraben auf dem Rübenacker

Nachdem der Kopf des Verurteilten abgeschlagen worden war, landete er in einem Weidenkorb gefüllt mit Sägemehl. Der Körper wurde ebenfalls in einen Korb oder Sarg gelegt und man platzierte den abgeschlagenen Kopf zwischen den Beinen der Leiche. Dann transportierte man den Leichnam auf den Friedhof. Nach einer kurzen Begräbniszeremonie begrub man den Toten auf dem sogenannten „Rübenacker“, einem Teil des Friedhofes, der speziell für Kriminelle reserviert war.

Nach dem Begräbnis musste jemand Anspruch auf den Leichnam erheben. Geschah dies nicht, so wurde die Leiche wieder exhumiert und der medizinischen Fakultät für Experimente zur Verfügung gestellt. In einigen Fällen gab man Leichnamen, die niemand haben wollte, die letzte Ölung und brachte sie dann direkt ins Leichenschauhaus, ohne ein Pseudobegräbnis durchzuführen.

 

5. Ein abgeschlagener Kopf und Hundeblut

Als man den obersten Scharfrichter Frankreichs, Anatole Deibler, im Jahre 1907 fragte, ob das Köpfen eine schmerzfreie Angelegenheit sei, berichtete dieser von einem wirklich grausamen Experiment, das man an einem guillotinierten Gefangenen durchgeführt hatte.

Zwei Ärzte erhielten die Erlaubnis, ihr Experiment an einem „frisch“ abgeschlagenen Kopf durchführen zu können. Sie banden die linke Halsschlagader ab, schlossen einen Gummischlauch an die rechte Halsschlagader an und verbanden das andere Ende des Schlauches mit der linken Halsschlagader eines großen, gesunden Hundes. Außerdem gab es einen Hahn, um den Blutfluss zu regulieren. Als alles angeschlossen war, drehten die Doktoren den Hahn auf und das Blut des Hundes schoss in den abgetrennten Kopf. Das tote, blasse Gesicht verfärbte sich rötlich; der Gesichtsausdruck entspannte sich, als ob der Kopf erwachen wolle. Auch die Augen öffneten sich mit einem erstaunten Blick und die Lippen zitterten, als ob sie zu sprechen beginnen wollten! Eine schreckliche Vorstellung, nicht wahr?

Diese kurzen Geschichten zeigen dir, wie schrecklich die Hinrichtung mit der Guillotine sein konnte! Dabei musste nicht einmal etwas schief gehen – schon allein „geglückte“ Hinrichtungen waren brutal genug. Im nächsten Teil erfährst du die restlichen fünf Geschichten der Guillotine.

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