Trick or Treat – Süßes oder Saures

Trick or Treat – Süßes oder Saures

Trick or Treat ist zu Halloween schon längst in Deutschland angekommen. Doch was genau steckt hinter dem Brauch und woher kommt er eigentlich?

Du hast soeben den Schrecken deines Lebens davongetragen? Arglos öffnetest du die Tür und sahst dich mit einer wilden Schar schauriger Gespenster, kleiner Vampire und Hexen konfrontiert? Mit der Forderung "Trick or Treat" konntest du nichts anfangen, bis dir der kleine Zauberlehrling der Truppe mit einer Übersetzung ins Deutsche („Streich oder Gabe“, oder auch „Süßes oder Saures“) auf die Sprünge half? Durch einen tiefen Griff in den Wohnzimmerschrank mit den Süßigkeiten konntest du die wilde Horde dann aber doch zufrieden stellen!? Dumm nur, dass die kleinen Biester dich damit um sämtliche süße Vorräte gebracht haben, die du dir extra fürs Halloween-Horror-Special am heutigen Fernsehabend angelegt hattest… Solche oder ähnliche Szenen spielen sich am 31. Oktober in Deutschland immer wieder ab! Das Halloweenfest ist zwar längst in Deutschland angekommen, „Trick or Treat“ jedoch ist hierzulande den meisten noch eher unbekannt. Aber warum eigentlich? Und was genau steckt eigentlich hinter dieser Halloween-Tradition?

 

USA: Kein Halloween ohne Streiche!

In den USA jedenfalls ist Halloween ohne „Trick or Treat“ undenkbar! Bereits am Nachmittag erobern die Kinder dort in ihren gruseligen Verkleidungen die Straßen! Skelette, Dämonen, Fledermäuse, Zombies, Mumien, sowie natürlich Geister, Hexen und Vampire treiben dann ihr Unwesen. Das Straßenbild gleicht der Kulisse eines klassischen Horrorfilms. Mit einer grimmigen Kürbisfratze mit Kerze („Jack O’Lantern“), mit Beuteln, Säcken und Töpfen bewaffnet, ziehen sie von Haus zu Haus. Unter jeder Menge Lärm erbetteln sie sich in der Nachbarschaft Süßigkeiten. Wehe jedoch dem mürrischen Spaßverderber, der den Kindern die Tür vor der Nase zuschlägt ohne sie zuvor mit Leckereien bedacht zu haben! Ihm wird ganz sicher einer der berüchtigten Halloweenstreiche gespielt. Zum Beispiel, indem ihm Marmelade auf die Türklingel gestrichen, Konfetti unter die Fussmatte gelegt oder der Briefkasten mit Klopapier umwickelt wird. Bis in die Abendstunden zieht sich das bunte Treiben, das in den USA nicht bloßes Beiwerk des Halloweenfestes ist, sondern vielmehr dessen eigentlicher Auftakt.

 

Der Ursprung des Brauches

Wo aber liegt der Ursprung dieses Brauches? Häufig wird bei dieser Frage auf alte, europäische Traditionen verwiesen. Zum keltischen Totenfest Samhain etwa stellten die Menschen in Irland Essen und Getränke vor die Häuser um die Toten zu besänftigen. Von denen glaubte man nämlich, dass sie an Samhain die Grenze zwischen Dies- und Jenseits überschreiten könnten, um die Lebenden heimzusuchen! Findige Bettler und arme Schlucker machten sich dies zunutze! Sie verkleideten sich, um als Verstorbene durchzugehen und konnten sich dann wenigstens dieses eine Mal im Jahr so richtig satt essen und trinken. Auch eine christlich-katholische Tradition aus dem Mittelalter gilt als ein Urahn des „Trick or Treat“: das sogenannte „souling“. Hierbei zogen Bettler von Haus zu Haus und versprachen gegen Essensspenden (die sogenannten „soul cakes“) für die Seelen der Verstorbenen zu beten. Allerdings können für die USA weder „Samhain“ noch „souling“ als Brauchtum nachgewiesen werden. Zudem entstand „Trick or Treat“ erst relativ spät in den 1930er Jahren. Es wird daher heute eher von einem recht eigenständigen, typisch amerikanischen Brauchtum ausgegangen.

 

Trick or Treat in Deutschland

Nun aber zurück nach Deutschland! Auch hier gab und gibt es eine ganze Reihe traditioneller Formen des ritualisierten Bettelns. Beim Martinssingen etwa (am 11. November) ziehen die Kinder mit selbstgebastelten Laternen von Haus zu Haus. Sie singen Lieder und erhoffen sich im Gegenzug dafür Leckereien und Gebäck. In der Andreasnacht (am 30. November) liefen die Kinder früher maskiert durch die Straßen und wurden für das Aufsagen von Gedichten mit allerhand Leckereien belohnt. Selbst das Sternsingen zwischen Weihnachten und Dreikönigstag, bei dem Geld für einen guten Zweck gesammelt wird, könnte man in diesem Zusammenhang aufführen. Gegen eine solche Vielzahl von einheimischen „Heischebräuchen“ (und nichts anderes ist „Trick or Treat“ ja im Grunde) hatte es die amerikanische Halloweenversion natürlich schwer. Kein Wunder also, dass „Trick or Treat“ hierzulande erst eine gewisse Anlaufzeit benötigte. Mittlerweile erfreut es sich jedoch auch in Deutschland einer stetig wachsenden Beliebtheit, so wie es auch für das Halloweenfest überhaupt gilt. Es wäre also besser, du gewöhnst sich an die kleinen schauerlichen Kinderkolonnen im Herbst. Und besser du hast etwas Süßes im Haus! Du weißt ja jetzt, was sonst mit deiner Klingel passieren wird…

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