Geister, die Verbrechen aufdeckten – Geschichten um Geistersichtungen Teil 1

Geister, die Verbrechen aufdeckten – Geschichten um Geistersichtungen Teil 1

Im ersten Beitrag unserer neuen Serie geht es um drei verschiedene Geistersichtungen, durch die die Wahrheit ans Licht kam.

Immer wenn Gerüchte einer Geistersichtung sich verbreiten, erhält dieses besondere Ereignis eine Menge Publicity, während sich Skeptiker und Gläubige eine hitzige Debatte liefern. Doch wenn der Rummel sich einmal gelegt hat, geht das Leben in der Regel weiter. Doch manchmal können die Reaktionen auf eine mutmaßliche paranormale Begegnung so stark sein, dass diese das Leben der Betroffenen drastisch verändern. Die in den nächsten Beiträgen folgenden Geistergeschichten könnten entweder unheimlich glaubhaft sein oder nichts weiter als erfundene Falschmeldungen, doch die Reaktionen auf sie sind sehr einzigartig gewesen.


Der Geist von Greenbrier

Am 23. Januar 1897 starb die 23-jährige Zona Hester Shue unter mysteriösen Umständen in ihrem Haus in Greenbrier County, West Virginia. Merkwürdig war, dass ihr Ehemann Erasmus Trout Shue den Leichnam bereits vom Erdgeschoss in den ersten Stock befördert und angekleidet hatte, als die Ärzte eintrafen. Doch da man als Todesursache Herzversagen festgestellt hatte, ging niemand von einem Verbrechen aus. Wochen nach Zonas Beerdingung besuchte ihre Mutter Mary Jane Heaster, den örtlichen Staatsanwalt, um die Exhumierung des Leichnams ihrer Tochter zu erbitten. Diese Entscheidung wurde durch mehrfache „Besuche“ von Zonas Geist hervorgerufen.
Mary Jane behauptete, dass der Geist ihrer Tochter sie über den Zeitraum von vier Nächten heimgesucht und ihr offenbart hätte, dass Trout ein missbrauchender Ehemann gewesen sei und ihr in einem Wutanfall das Genick gebrochen habe, als er sie würgte. Die Behörden stimmten Mary Janes Bitte zu, ihre Tochter zu exhumieren. Eine Autopsie bestätigte, dass das Genick von Zona tatsächlich gebrochen war. Trout wurde daraufhin verhaftet und des Mordes an seiner Frau angeklagt, auch wenn die Beweise gegen ihn eher von untergeordneter Bedeutung waren. Als Mary Jane nun beim Prozess in den Zeugenstand gebeten wurde, stellte Trouts Verteidiger ihre Geschichte über die angeblichen Begegnungen mit dem sogenannten „Greenbrier Ghost“ in Frage. Jedoch wich Mary Jane während der Verhandlung nicht von ihrer ursprünglichen Geschichte ab und ihre Zeugenaussage erwies sich als so überzeugend und glaubhaft, dass die Geschworenen sie nicht missachten konnten. Am Ende befanden sie Trout für schuldig. Er wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe im Gefängnis von Moundsville verurteilt, wo er drei Jahre später starb.

Der Geist von James L. Chaffin

1921 starb der Farmer James L. Chaffin aus Mocksville, North Carolina, an den Folgen eines Sturzes. Er hinterließ eine Frau und 4 Söhne. James‘ Testament, welches bereits lange Zeit vorher aufgesetzt worden war, sah als alleinigen Erben der Farm seinen dritten Sohn Marshall vor. Jedoch entstanden im Jahr darauf rechtliche Streitigkeiten, als Marshall unerwartet starb. Da es im Testament keinerlei Angaben zu den übrigen Mitgliedern der Familie Chaffin gab, wurde die Farm Marshalls Witwe zugesprochen. Im Jahre 1925 allerdings schockierte der zweite Sohn James Pinkney Chaffin alle, indem er einen Prozess gegen die Echtheit des Testaments erwirkte. Doch noch viel schockierender war die Tatsache, dass dieser Prozess durch die angeblichen Kontakte zu einem Geist motiviert wurde.
James Junior behauptete, dass er eine Reihe von Träumen gehabt hatte, in denen er vom Geist seines Vaters besucht wurde. Eines Nachts erschien James Senior plötzlich am Bett seines Sohnes und sprach zu seinem Sohn, dass er in der Innentasche des Mantels ein neues Testament finden würde. Als der Sohn nun den alten Mantel seines Vaters fand, stellte er fest, dass die Innentasche mit neuem Futterstoff vernäht war. Er entfernte diesen und fand in der Tasche eine Notiz, auf der folgender Text stand: „Lies das Kapitel 27 der Genesis in der alten Bibel meines Vaters.“ Nun spürte James Junior schnell die alte Bibel auf und war überrascht, darin tatsächlich ein neues Testament zu entdecken, direkt neben dem 27. Kapitel der Genesis-Geschichte. Es wurde von James Chaffin Senior im Jahre 1919 verfasst. In der überarbeiteten Fassung wollte James nun, dass sein Anwesen gerecht unter seinen vier Kindern aufgeteilt wird. Beim Prozess stimmten die Anwälte darin überein, dass die Handschrift des Letzten Willens echt sei und selbst Marshalls Witwe war nun davon überzeugt, sodass sie sich auf einen Vergleich einließ und die Farm wieder in den Besitz der Familie Chaffin zurückgegeben wurde.

Der Geist von Montrose

Am Morgen des 27. Mai 1913 brach Leutnant Desmond Arthur, ein irischstämmiger Pilot des Royal Flying Corps, in einer B.E. 2 Doppeldeckermaschine offenbar zu einem Routine-Trainingsflug auf dem Montrose Airfield in Schottland auf. Doch der rechte Flügel des Flugzeuges brach plötzlich mitten im Flug ab und Arthur kam bei dem folgenden Absturz ums Leben. Sofort glaubte man, dass die Tragödie durch eine fehlerhafte Reparatur am Flugzeug verursacht worden war. Jedoch stellte drei Jahre später eine Regierungsuntersuchung fest, dass der Pilot selbst Schuld an dem Absturz war. Viele seiner Pilotenkollegen waren unglücklich über diesen Makel in seiner Akte, doch es sollte nicht lange dauern, bis das Montrose Flugfeld von einer Reihe von unerklärlichen übernatürlichen Phänomenen geplagt werden sollte.

Im August 1916 begannen die Angestellten in Montrose Visionen einer scheinbar geisterhaften Erscheinung eines Piloten zu bekommen. Einige der Zeugen glaubten in der mysteriösen Figur Desmond Arthur zu erkennen. Die paranormalen Sichtungen häuften sich derartig, dass verängstigte Piloten ihre Posten verließen oder um eine Versetzung von Montrose baten. Schließlich entschied sich C.G. Gray, der Herausgeber des Fliegermagazines „The Aeroplane“, dazu, die Theorie zu verbreiten, dass Arthur aus dem Jenseits zurückgekehrt wäre, um seinen früheren Arbeitsplatz als Reaktion auf die Regierungsuntersuchung, die seinen Namen diffamiert hatte, heimzusuchen. Gray nahm erfolgreich darauf Einfluss, dass besagte Untersuchung der Crash-Ursache neu aufgerollt wurde. Dieses Mal stellte sich heraus, dass Desmond Arthur nicht Schuld an dem Absturz gewesen war. Nachdem Arthurs Name gereinigt worden war, verschwand der Montrose-Geist. Er wurde daraufhin lediglich noch einmal gesichtet und schien zu lächeln.


Der nächste Beitrag zeigt, dass sich viele Geistersichtungen letztendlich als ausgemachter Schwindel erweisen. Wie im Falle des Cock Lane Geistes.

 

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